PostCovid-Realtalk

Mein persönlicher Weg - von den ersten Symptomen bis zur Genesung

Ich möchte dir von meinem persönlichen Weg erzählen. Vielleicht kann meine Geschichte dir oder jemand anderem dabei helfen, die eigenen Symptome besser einzuordnen oder sich in meinen Erfahrungen wiederzuerkennen. Wenn du oder jemand in deinem Umfeld bereits die Diagnose PostCovid erhalten hat, hilft dir das hier alles hoffentlich dabei, eine Idee zu bekommen, wie es nun weitergehen kann. Im besten Fall kann ich dir mit meiner Geschichte ein bisschen Hoffnung machen.

Die Impfung

Im Jahr 2021 habe ich mich, wie so viele andere auch, gegen COVID-19 impfen lassen. Durch die Empfehlung meiner Hausärztin habe ich mich für eine Kreuzimpfung (Vektor- + mRNA-Impfstoff) entschieden. Ich erhielt zunächst zwei Dosen AstraZeneca und nach 6 Monaten eine Dosis Moderna. Bei der ersten AstraZeneca-Impfung hatte ich für 8 Stunden heftigste Impfreaktionen. Zu den üblichen Reaktionen, wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber, etc. habe ich sehr starken Schüttelfrost bekommen und mein Körper hat sich so stark verkrampft, dass ich nicht mal zur Toilette gehen konnte. Die Symptome verschwanden über Nacht, daher habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Die anderen beiden Impfungen waren weitestgehend unauffällig.

Meine erste Corona-Infektion

Im Juni 2022 - ziemlich genau ein Jahr nach den Impfungen - hatte ich das erste Mal Corona. 10 Tage lang war mein Test positiv. Den Verlauf habe ich als relativ durchschnittlich empfunden. 5 Tage erhöhte Temperatur, trockener Husten, Abgeschlagenheit und Kopf- sowie Gliederschmerzen. Nach den 10 Tagen brauchte mein Körper ca. einen Monat, um wieder fit zu sein.

Die nächste Zeit war erstmal unauffällig. Was mir jedoch immer wieder auffiel - mir wurde schnell übel. In Alltagssituation, aber vor allem in Stresssituationen. Ob das an der Impfung lag oder nicht, lasse ich mal so stehen. Heute bin ich allerdings davon überzeugt, dass dies im Zusammenhang stehen kann.

Die unschönste Zeit meines Lebens

Ende 2023 fing dann die unschönste Zeit meines Lebens an. Nach einem Urlaub bin ich von Oktober bis Dezember dreimal in Folge mit verschiedenen Infekten krank gewesen. Immer 2 Wochen krank, 2 Wochen gesund im Wechsel. Insbesondere der erste Infekt war sehr stark und ließ mich körperlich sehr geschwächt zurück. 

Die Schnellteste, die ich in dieser Zeit machte, waren allesamt negativ. Ich befürchte dennoch, dass der erste Infekt womöglich eine Corona-Infektion gewesen ist. Ich erholte mich soweit, hatte jedoch ab Januar starke Rückenbeschwerden. Meine Wirbelsäule war ununterbrochen blockiert und die Muskulatur hat geschmerzt. Hinzu kam, dass ich nachts einfach nicht zur Ruhe kam und mein Schlaf alles andere war als erholsam. Morgens wachte ich mit schmerzenden Beinen auf. 

Dabei habe ich mir erstmal nichts gedacht. Die Reaktionen meines Körpers schob ich auf zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit. Das wird schon - dachte ich mir. Im März 2024 verschlechterte sich mein Zustand. Ich hatte häufig das Gefühl gleich ohnmächtig zu werden. Es war wie ein "Blitz", der kurz im Kopf eingeschlagen ist. Zudem war ich auf einmal unglaublich müde. Mein Kopf schmerzte und ich war wie benebelt. 

Trotzdem versuchte ich weiterzumachen. Nur eine Phase, dachte ich. Nach einer Sporteinheit mit einem Freund, anschließendem Saunabesuch und gemeinsamen Essen kam es dann zu meinem ersten Crash. Diesen Abend werde ich nie vergessen.

Der erste Crash

Während des Essens wurde mir plötzlich extrem unwohl. Von jetzt auf gleich fühlte ich mich einfach krank und sehnte mich nach meinem Bett. Der Gang zum Auto war sehr anstrengend. Wenn ich heute noch einmal in einer solchen Situation wäre, würde ich mich auf keinen Fall mehr hinters Steuer setzen. Damals konnte ich es nicht richtig einschätzen. 

Nach 10 Minuten Fahrt spürte ich einen starken Schmerz in der Brust. Meine Hände und Füße schliefen ein. Ich hatte das Gefühl jeden Moment ohnmächtig zu werden. Irgendwie schaffte ich es nach Hause. Zuhause angekommen legte ich mich sofort ins Bett und versuchte mich zu beruhigen. Mein Puls raste bei 130 im Liegen und wollte sich einfach nicht beruhigen. Plötzlich war da ein unglaublich starkes Angstgefühl im Körper. Erst dachte ich, dass es von den Symptomen kam - es sollte sich aber herausstellen, dass es nicht nur das war. Ich rief meine damalige Freundin, heutige Frau, an, die auf dem Heimweg war und wir riefen den Krankenwagen. Bis der Krankenwagen bei uns ankam, hustete ich stark und würgte. Ich zitterte wie nach der Impfung am ganzen Körper und konnte auf der Fahrt ins Krankenhaus kaum mein Portemonnaie festhalten. 

Im Krankenhaus angekommen wurden ein paar Schnelltests, ein EKG und weitere Untersuchungen durchgeführt. Allesamt unauffällig und so wurde ich nach knapp 6 Stunden und einer Infusion mit der Diagnose "Nährstoffmangel" früh morgens um 04:30 Uhr wieder nach Hause geschickt. Mir ging es wieder etwas besser. Zumindest waren die Symptome nicht mehr so stark, aber seit diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass irgendwas nicht mit mir stimmte.

Doch nur ein verschobener Wirbel?

Nach dem darauffolgenden Wochenende, an dem ich mich nur ausruhte, fuhr ich zu meiner Hausärztin. Dort wurde ich ebenfalls nochmal ausführlich durchgecheckt - ohne Ergebnis. Alles sah bestens aus, auch meine Blutergebnisse. Ich sprach dort die noch immer vorhandenen Rückenschmerzen an. Da meine Hausärztin relativ fit in ganzheitlicher Medizin ist, gab sie mir den Hinweis, dass die Sympomatik gut zu einem verschobenen Wirbel passen könnte. 

Von der Praxis aus fuhr ich im Anschluss direkt zu meinem Physiotherapeuten, der mich von oben bis unten komplett einrenken musste. Es rummste im ganzen Körper. "BINGO!", dachte ich mir. Gott sei Dank nur so eine Kleinigkeit. Für mich machte plötzlich alles Sinn. Ein verschobener Wirbel, der auf Nerven, Muskeln und Co. drückt und dadurch meinen Körper aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Klang logisch, und ich ging davon aus, dass ich nur etwas warten musste, bis sich alles wieder normalisieren würde. Leider geschah genau das Gegenteil. Meine Rückenschmerzen wurden so schlimm, dass ich die Schmerzen kaum aushalten konnte. Die Muskulatur zwischen den Schulterblättern war so stark verspannt, dass ich diese ununterbrochen merkte. 

Von einem Arzt zum nächsten

Von da an begann meine Ärzteodyssee. Aufgrund der blockierten Wirbel und der starken Rückenschmerzen besuchte ich zunächst einen Orthopäden. Inzwischen war ich am ganzen Körper so extrem verspannt, dass ich nicht mehr richtig durchatmen konnte. Mein Körper fühlte sich wie ein Panzer an. Ein MRT der Hals- und Brustwirbelsäule (HWS/BWS) brachte keine neuen Erkenntnisse und so blieb auch 10x Physiotherapie ohne Ergebnis. 

Zu den Schmerzen und den Muskelverkrampfungen spürte ich nun auch dauerhaft einen unangenehmen Druck auf der Brust und ganz besonders: ein Gefühl der Rastlosigkeit. Mein Körper war ununterbrochen aufgeregt, ich stand ständig unter Strom. Das wiederum führte dazu, dass ich nicht schlafen konnte. Es war ein Teufelskreis. 

Es vergingen 2 Monate, 10 Physiotherapiesitzungen, mindestens 5 Orthopädenbesuche und ich war keinen Schritt weiter. Die Problematik: Die Symptome (Kopf- und Gliederschmerzen, Muskelverkrampfungen, innere Unruhe, Druck auf der Brust) passen ebenfalls zu HWS/BWS-Problemen, weshalb ich an dem Gedanken festhielt und weiter Physiotherapie, Tapes und weitere orthopädische Maßnahmen ergriff. Im Endeffekt war ich 4 Tage die Woche beim Arzt, Physio oder bei der Massage.

Der Druck auf der Brust und die innere Unruhe wurden etwas besser, die Schmerzen im Körper blieben unverändert.

Der nächste Infekt und der nächste Crash

Im Juni 2024 bekam ich einen relativ harmlosen Infekt. Ich kurierte diesen aus, merkte aber direkt nach der Gesundung, dass die anderen Symptome wieder stärker wurden. Der Druck auf der Brust war wieder da und auch die innere Unruhe war stärker als zuvor. Und nicht nur das - es kamen neue Symptome hinzu: Auf einmal hatte ich das Gefühl auf Eierschalen zu laufen. Mir war schwindelig, ich war trotz der Unruhe unglaublich müde und abgeschlagen - so als ob ich zu viel Alkohol getrunken hätte.

Nach 2 weiteren Wochen ging ich wieder zum Sport. Danach wiederholte sich die Situation, die mich im März bereits ins Krankenhaus gebracht hatte. Ich war kurz davor ohnmächtig zu werden, mir schliefen meine Gliedmaßen ein, meine Brust zog sich zu und die innere Unruhe erreichte ein neues Level. Das Unruhegefühl war zu diesem Zeitpunkt so stark wie noch nie. Seit diesem zweiten so deutlich wahrnehmbaren Crash konnte ich nur noch schwer an sozialen Interaktionen, wie Freundetreffen oder Ähnlichem, teilnehmen.

Langsam bezweifelte ich, dass es sich bei meiner Symptomatik "nur" um etwas Orthopädisches handelte. Diese innere Unruhe trieb mich fast in den Wahnsinn. Dazu der Druck auf der Brust, das Brennen hinter dem Brustbein, der Schwindel, die Schmerzen, der "verpanzerte" Oberkörper. Die Gefühlslage ist schwer zu beschreiben, aber sicherlich das Schlimmste, was ich je gefühlt habe. Zumal sich dieses Gefühl - mit etwas besseren und etwas schlechteren Phasen - 12 Monate lang halten sollte. Hätte mir das damals jemand gesagt, hätte ich es nicht für möglich gehalten, das auszuhalten.

Ärzteodyssee die Zweite

Es folgten Termine beim Kardiologen, HNO, Neurologen, Rheumatologen, Infektiologen, Zellbiologen, Funktionelle Medizin... 

Im Endeffekt besuchte ich 12 verschiedene Fachärzte. Ich erspare dir Details. Hier ist mir jedoch leider schmerzlich bewusst geworden, wie unverantwortlich manche Ärzte mit ihren Worten und der damit verbundenen Macht umgehen. Neben Mangelzuständen im Mikronährstoffbereich wurde mir so zum Beispiel auch zwischen Tür und Angel die Diagnose "Depression" um die Ohren gehauen - einfach weil sich im Rahmen der Anamnese nicht offenkundig eine körperliche Ursache finden ließ. 

Leider musste ich feststellen, dass diese Karte häufig dann gespielt wird, wenn Ärzte nicht weiter wissen. Es gibt keinen direkt erkennbaren physiologischen Befund? Dann kann es quasi nur die Psyche sein (Achtung, Ironie!). Über diese "Diagnose"-Vermutung und die Worte "solche Symptome sehen wir sonst häufig bei einer Depression" haben wir uns wahnsinnig geärgert, und konnten nicht fassen, wie leichtfertig dies "mal eben so" ausgesprochen wird. Für mich war jedoch die ganze Zeit klar, dass körperlich etwas nicht stimmt. Das habe ich ganz deutlich gespürt.

Die Mangelzustände im Mikronährstoffbereich habe ich substituiert. Aber auch diese waren nicht Ursache für meinen Zustand.

Der erste Schritt in die richtige Richtung

Es war zwischenzeitlich fast Weihnachten als ich durch eine Bekannte auf einen Arzt aufmerksam wurde, bei dem sie für eine Art "Autoimmunerkrankung" in Behandlung war. Diesen Weg war ich bis dato noch nicht gegangen, aber ich hatte meine Arzt- und Diagnosefühler mittlerweile so breit ausgestreckt, dass ich mir dachte, es würde nicht schaden. Zumal hatte ich nach wie vor keine Erklärung für meine Symptome. Also vereinbarte ich einen Termin. Und es war endlich der erste Schritt in die richtige Richtung.

Verglichen mit all den erfolglosen Arztbesuchen der vergangenen Monate - konnte jemand meine Symptome interpretieren und mir erklären, woher all das kommen könnte. Es war das erste Mal, dass die Vermutung "PostCovid" im Raum stand. Direkt bei diesem ersten Besuch wurde mir Blut abgenommen und ich wartete sehnsüchtig auf das Ergebnis. 

Nach 10 Tagen machte sich mit Eintreffen der Ergebnisse Ernüchterung breit: Negativ - kein Nachweis von Autoantikörpern, die ein Indiz für die PostCovid-Diagnose gewesen wären. Der Arzt war sich dennoch sicher, dass ich PostCovid habe. Er konnte mir zwar nicht erklären, warum der Test nicht positiv war, wollte mich aber dennoch behandeln. Diese Erklärung reichte mir nicht und ich sagte die Behandlung ab. Zu diesem Zeitpunkt habe ich selbst mit der Recherche begonnen. Endlich stand etwas im Raum, das zu meinen Symptomen passte.

Die Laborleiterin

In meiner Recherche las ich fast alles, was ich zum Thema finden konnte. Kurze Zeit später stieß ich online auf den Vortrag einer Laborleiterin, die genau diese Blutuntersuchung zur Bestimmung von Autoantikörpern anbietet. Ich beschloss kurzerhand sie zu kontaktieren. Unter dem Vortrag fand ich eine Nummer und ich rief an. Zu meinem großen Glück hatte ich die Laborleiterin direkt persönlich am Telefon. 

Im Gespräch mit ihr, erzählte sie mir von einem Online-Video, welches die Diagnose und Behandlung von PostCovid in einem bestimmten Behandlungszentrum thematisiert und mir weitere Erkenntnisse bringen könnte. Genau dieses Video erklärte mir letztendlich, warum das Ergebnis meines zuvor durchgeführten Bluttests negativ war. 

Der bei mir durchgeführte ELISA-Test ist für den Nachweis der PostCovid-Autoantikörper nicht zuverlässig. Ich entschloss mich den Antikörper-Test bei der netten Laborleiterin per Biosassay nachzuholen. Gott sei Dank! Nach weiteren 10 Tagen kam das Ergbenis an: Postiv. Ich hatte Klarheit. 5 von 8 möglichen GPCR-Autoantikörpern wurden positiv getestet und sind der Grund dafür, dass mein Körper und meine Organe verrückt spielten.

Kleiner Exkurs: GPCR-Autoantikörper sind Autoantikörper, die sich gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) richten. Diese Rezeptoren sind wichtige Zelloberflächen-Rezeptoren, die Signale wie Hormone und Botenstoffe weierleiten. Autoantikörper sind Antikörper, die fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreifen. Demnach sind GPCR-Autoantikörper solche die an diesen Rezeptoren binden und diese dauerhaft aktivieren oder blockieren, sodass die "normale" Organfunktion beeinträchtigt wird.

Die Laborleiterin erklärte mir den Befund am Telefon. Sie empfahl mir, mich zusätzlich auf eine Spikeproteinpersistenz testen zu lassen und mich in Berlin bei einer Studie anzumelden, welche zum PostCovid-Syndrom und entsprechenden Behandlung soptionen forscht. Das tat ich.

Der Test auf eine Spikeproteinpersistenz fiel bei mir ebenfalls positiv aus. Es konnte ein hoher Spiegel an Covid-Spikeproteinen in meinem Blut und Plasma nachgewiesen werden sowie ein mäßig hoher Wert in den Exosomen (Zellen). Das ist wichtig zu wissen, da eine Behandlung der Autoantikörper nur erfolgreich zu sein scheint, wenn diese Spikeproteinpersistenz vorher behoben wurde. Zwar verschlechterte sich mein Zustand weiter (zu den bestehenden Symptomen gesellten sich noch Herzthythmusstörungen, ein erhöhter Puls, Licht- sowie Lärmempfindlichkeit - inzwischen hatte ich deutlich weniger Energie und verbrachte die meiste Zeit auf der Couch oder im Bett). Dennoch war ich auch erleichtert - endlich wusste ich, was los ist.

Studienaufnahme in Berlin

Wie mir geraten, hatte ich in der Zwischenzeit Kontakt mit Berlin aufgenommen und mich für die Studie dort angemeldet. Nach einer Wartezeit von 3 Wochen hatte ich mein digitales Aufnahmegespräch für ebendiese Studie. Wiederum 8 Wochen später startete meine Behandlung, um die Spikeproteine in meinem Körper wieder los zu werden. Um gegen die Spikes in meinem Blut und Plasma vorzugehen, nahm ich Ivermectin, Nattokinase und Wobenzym über einen Zeitraum von 4 Wochen. Eine Woche nach der ersten Einnahme startete ich zudem mit dem ersten von insgesamt drei Terminen der Ganzkörperhyperthermie - hiermit ging es den Spikes in den Exosomen an den Kragen.

Jeden Montag fand eine der Ganzkörperhyperthermien statt, sodass ich eine Woche Vorlauf mit den Medikamenten hatte und eine Woche Nachlauf nach der letzten Ganzkörperhyperthermie. Ich reiste immer sonntags an und fuhr am Dienstag wieder nach Hause. Ich muss sagen, dass die Hyperthermie kein Spaziergang war, aber mit einer guten Betreuung sehr gut machbar. Obwohl ich Hitze wirklich schlecht aushalten kann, habe ich jede der 3 Thermien gut überstanden.

Ganzkörperhyperthermie

Bei der Thermie legte ich mich in ein Heckelbett. Das kannst du dir vorstellen, wie ein "normales Bett" über das eine Art "Zeltplane" gespannt ist. Durch ein kleines Loch steckte ich den Kopf oben aus dem Zelt raus und mein Körper wurde während der Sitzung auf Brusthöhe von Infrarotstrahlern angestrahlt. Durch das Zelt dringt die Luft nicht gut nach außen und der Körper heizt sich nach und nach auf. Während der ganzen Prozedur werden Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und das Herz über ein EKG überwacht. Dadurch, dass ich relativ groß und demnach auch schwer war, dauerte es immer ca. 1 Stunde bis meine Temperatur anfing zu steigen und ca. 2 Stunden bis ich dann bei einer Körpertemperatur von 39,5 war. 

Sobald ich diese Temperatur erreicht hatte, wurden die Strahler ausgeschaltet und es folgt der sognenannte Hitzestau. Dabei wird das "Zelt" über mir so zusammengefaltet, dass ich wie ein großer Burrito eingepackt war. Das führt dazu, dass der Körper nochmal nachheizt. Das Nachheizen ist wohl einer der wichtigsten Vorgänge, weil es zeigt, dass der Körper eigenes Fieber entwickelt. Ich war einmal bei 40,2, einmal bei 40,1 und einmal bei 39,8 Grad. Die meisten steigen wohl normalerweise auf 39,7 bis 39,8 Grad. Die Therapie war also sehr erfolgreich, was hinterher auch - Gott sei Dank - meine Werte bestätigten. 

Ich blieb ziemlich genau 45 Minuten im Hintzestau; danach wurde ich abgedeckt und wartete, bis die Temperatur wieder leicht runtergegangen ist, sich der Puls normalisiert und ich mich bereit fühlte wieder aufzustehen. Danach habe ich kurz geduscht und es ging es für mich direkt ins Gästehaus auf dem Gelände. Wieder auf meinem Zimmer habe ich dann meistens 1-2 Stunden geschlafen und den restlichen Tag im Bett verbracht, da ich nach den Sitzungen echt geschafft war.

Maraviroc

Drei Wochen nach Abschluss dieser 4-wöchigen Behandlungszeit zeigte ein neuer Bluttest: Die Spikeproteinpersistenz im Blut/Plasma und den Exosomen war tatsächlich verschwunden. Das passte auch zu meinen Symptomen. Diese hatten sich um ca. 50% verbessert. Jedoch zeigte sich nun ein schwach positiver Wert der Spikeproteine in meinen Immunzellen. Dieser Wert war jedoch so niedrig, dass meine behandelnde Ärztin annahm, dass es sich hierbei um einen Abbauprozess meines Körpers handelte. Daher sollte ich nochmals 4 Wochen abwarten und einen neuen Test machen. Hierbei blieb der Wert jedoch nahezu unverändert, sodass ich nach einer kurzen Absprache mit der Ärztin für 2 Wochen das HIV-Medikament Maraviroc einnehmen sollte, um die Immunzellen von den Spikeproteinen zu befreien. Da der nächste Schritt meiner Behandlung - insgesamt fünf Termine für eine Immunadsorption - schon feststand, überschnitt sich der Einnahmezeitraum von Maraviroc mit der ersten Behandlungswoche der Immunadsorption. (Spoiler: Am letzten Immunadsorptionstermin nahmen wir erneut die Spikeproteine ab: und, siehe da: Erfolgreich, ich bin Spikeproteinfrei!).

Immunadsorption

Und nun zum wichtigsten Teil meiner Reise: Die Immunadsoprtion. Ich hatte von Ende Juli bis Mitte August 2025, innerhalb von 2 Wochen 5 Immunadsoprtionstermine. Dienstag, Donnerstag, Montag, Freitag und wieder Dienstag. Die Prozedur an sich ist überhaupt nichts, vor dem du Angst haben musst. Meiner Meinung nach ist die Punktion der Venen vor Beginn der Behandlung der "kritischste" Part daran. Dabei piekst es kurz, aber die Behandlung danach habe ich kaum gespürt. Ich habe großes Glück mit meinem Venenverhältnissen. Bei mir hat die Punktion daher nur ein paar Sekunden pro Arm gedauert. Allerdings habe ich auch mitbekommen, dass bei Personen mit schlechten Venenverhältnissen, das Ganze etwas heikler zuging. Nichtsdestotrotz wurde immer jeder erfolgreich punktiert.

Bei der Immunadsorption wurde ich in beiden Armbeugen punktiert. Aus der einen Vene läuft das Blut in die Maschine, innerhalb derer das Blut in die Blutzellen und das Plasma aufgeteilt wird. Das Plasma läuft durch einen Absorber (eine Art Filter), der die Immunglobuline (inklusive der Autoantikörper) aus dem Plasma filtert, sodass das gereinigte Plasma dann mit den Blutzellen über die andere Vene wieder gemeinsam dem Körper zugeführt wird. Ich persönlich hatte nur ein einziges Mal während der 5 Termine das Gefühl, dass mir etwas schwummrig wird. Nachdem ich das der Arzthelferin gesagt hatte, hate sie etwas an den Einstellungen der Maschine geändert und das Gefühl verschwand umgehend. Ansonsten ist das Verfahren unspektakulär. In meinem Fall musste ich jedes mal 5,5 bis 6 Stunden liegen bleiben und die Maschine arbeitete jedes mal das 2-fache Volumen meines Blutes durch. Manche Patientinnen und Patienten unterhielten sich während der Zeit, manche hörten Musik und wiederum andere versuchten zu entspannen. Ich versuchte immer einen Mix aus allem hinzubekommen, um etwas Abwechslung zu haben. Letztendlich ist es ein etwas komisches Gefühl zu Beginn, seine Arme nicht bewegen zu dürfen, aber ich habe mich recht schnell daran gewöhnt. Durch die überaus freundlichen Arzthelferinnen wurde ich bei allem unterstützt. Egal, ob es Musik wechseln auf dem Handy, etwas zu Trinken reichen oder auch in Notfällen beim Blase entleeren war.

Was mich etwas verunsichert hatte waren meine Autoantikörperergebnisse. Vor der ersten Immunadsoprtion, vor der 3. und vor der 5. wurden die Ergebnisse erneut zu Studienzwecken erhoben. Ich war tatsächlich in der Zwischenzeit in allen GPCR-Autoantikörperbereichen positiv geworden, was sich auch bei der Erhebung vor der Adsorption nicht veränderte. Letztendlich erfuhr ich im Nachgang, dass ich vor der fünften Adsoprtion noch in 4 Bereichen positiv war. 6 Wochen nach der letzten Immunadsorption lag ein Brief in meinem Briefkasten mit meinen Blutergebnissen. Als ich den Brief öffnete, konnte ich es gar nicht glauben - ich war tatsächlich in allen Bereichen negativ. Was für ein tolles Gefühl! Ich hatte es geschafft.

Genesung

Nun begann meine Genesung. Nach Rücksprache mit meinem Arzt nahm ich vortan Duloxetin ein. Duloxetin ist ein Serotonin-Noradrenlain-Wiederaufnahmehemmer, der mein Nervensystem beruhigte. Die Kombination aus der Befreiung der Autoantikörper und der Regulation des Nervensystems durch Duloxetin ließ mich relativ schnell spüren, dass mein Körper sich wirklich erholte. Ich schlief fortan - wenn ich mir keinen Wecker stellte - um die 10 Stunden. Vor der Behandlung bekam ich kaum eine Nacht mehr als 8 Stunden Schlaf. 

Nun geht es jeden Tag ein kleines bisschen besser und mehr. Ich will nicht verheimlichen, dass die Besserungskurve sehr langsam steigt. Aber wenn ich die Zustände nach gewissen Zeitblöcken vergleiche, ist der Fortschritt nicht von der Hand zu weisen. Mittlerweile kann ich schon wieder über 6 Stunden zur Arbeit gehen und danach noch Einkaufen, ohne, dass ich mich sofort zu Hause wieder hinlegen muss. Ja, die Fatique ist noch da, aber nicht ansatzweise so schlimm, wie zu Beginn. Viele andere Symptome sind schon zu 90% verschwunden. Der Druck auf der Brust ist bspw. nur noch in Ausnahmesituationen zu spüren. Mittlerweile sind 12 Wochen seit der letzten Adsorption vorbei und ich fühle mich so gut, wie seit 1,5 Jahren nicht mehr. Ich bin guter Dinge, dass ich - wenn ich den Weg weitergehe - und mich nicht überlaste, bald wieder der Alte bin.

(Stand Ende November 2025)

 

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